Impressum  Anfahrt  Kontakt

Zur Notwendigkeit der Förderung hoch Begabter

Hoch begabte Kinder können und wollen ebenso wie Kinder mit besonderen Begabungen in Teilbereichen mehr lernen, als das auf den Durchschnitt angelegte Curriculum bietet. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gruppe der Hochbegabten etwa 2%, die Gruppe der Kinder mit besonderen Begabungen in Teilbereichen etwa 10 bis 15 % eines Jahrgangs ausmachen.
Ebenso ist in Untersuchungen deutlich geworden, dass sich Hochbegabung aus mindestens drei Persönlichkeitsmerkmalen zusammen setzt, nämlich hohen intellektuellen Fähigkeiten, Kreativität und Motivation.
Von hohen intellektuellen Fähigkeiten spricht man, wenn die Intelligenz, die mit Intelligenz- oder Fähigkeitstests gemessen werden kann, deutlich über dem Durchschnitt liegt. Das Ergebnis dieser Tests wird meist anhand eines Intelligenzquotienten (IQ) ausgedrückt. Nach der Konvention gibt der IQ 100 den Mittelwert an, die Spannbreite des Mittelwerts reicht von 85 bis 115 und betrifft etwa 68 % der Bevölkerung. Etwa 95 % der Bevölkerung haben einen IQ von 70 bis 130; ab einem IQ von 130 spricht man von Hochbegabung, dies trifft für etwa 2% der Bevölkerung zu. Von Höchstbegabung spricht man bei einem IQ ab 145, dies trifft auf etwa 0,1% der Bevölkerung zu. Die psychologische Diagnostik, die von Schulpsychologen, niedergelassenen Therapeuten oder einer Klinik für den Einzelfall durchgeführt wird, stellt den IQ im Verhältnis zur Norm fest.
Unter Motivation im oben verwendeten Sinne spricht man, wenn jemand den Willen und das Durchsetzungsvermögen hat, eine bestimmte Aufgabe oder eine angefangene Arbeit zu Ende zu führen. Ebenso bedeutet Motivation, dass man sich von einer bestimmten Aufgabe angezogen fühlt, dass man Spaß daran hat, dass man sich Ziele setzen und Unsicherheitsfaktoren bei der Bewältigung der Aufgabe in Kauf nehmen kann.
Kreativität schließlich bedeutet, dass man originell und erfinderisch Lösungen für Probleme finden, dass man aber auch Probleme aufspüren kann. Hier zeigt sich besonders selbstständiges und produktives Denken.
Diese Persönlichkeitsmerkmale sind Anlagefaktoren, die begleitet und gefördert werden müssen, damit sie sich ausprägen. Wichtig hierfür ist die Sozialumgebung, denn ohne Eingehen auf die Entwicklungs- und Lernbedürfnisse des Kindes unterbleibt eine optimale Entwicklung und das Kind bleibt eventuell auf einem Niveau stehen, das nicht zu ihm passt.
Die Sozialumgebung besteht aus den drei Sozialbereichen Familie, Freunde und Schule.
So ist es zur Förderung hoch Begabter auch entscheidend, dass die Schule einen die Intelligenz fördernden Raum zur Verfügung stellt. Ebenso entscheidend sind die diagnostischen Möglichkeiten der Schule Kinder mit besonderen Begabungen zu erkennen, da das Vorliegen eines entsprechenden psychologischen Gutachtens ohne die anderen angegebenen Faktoren noch keine Hochbegabung im dargelegten Sinne diagnostiziert.
Ohnehin schreibt das Schulgesetz vor, dass die Hochbegabtendiagnostik bei den Lehrkräften liegt, somit eine pädagogische und keine psychologische ist: Die Feststellung einer Hochbe-gabung bei einer Schülerin oder einem Schüler erfolgt durch gezielte systematische Beobach-tungen und Untersuchungen in Lernsituationen und ggf. auch mit psychologischen Tests. In der Begabungsdiagnose sind neben der kognitiven Leistungsbestimmung motivationale und emotionale Persönlichkeitsvoraussetzungen sowie wesentliche Sozialisationsfaktoren zu er-fassen (Rd.Erl. d. MK vom 16.05.2003 – 201 – 81 633 f.). So stützt sich die pädagogische Diagnostik auf das Urteil von Lehrkräften, Mitschülern und der Schüler selbst. Sie wird für alle Schülerinnen und Schüler durchgeführt, ihr Maßstab ist die individuelle Norm. Die päda-gogische Diagnostik ist am Prozess orientiert und fragt nach einer Verbindung von Diagnose und Förderung. Zentrales Element der pädagogischen Diagnostik sind Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern über ihr individuelles Lernen. Begabungsentwicklung in der Schu-le heißt demnach Unterstützung von individuellen (Lern-) Zielen.
Eine Schwierigkeit der pädagogischen Diagnostik kann es im Besonderen sein, einen An-haltspunkt für Hochbegabung zu finden. Erschwerend tritt hinzu, dass zu große Klassen, viele Lerngruppen und der Druck, den Stoff des Lehrplans zu vermitteln, es den einzelnen Lehrkräften häufig schwer machen, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Individualität zu würdi-gen. Ohnehin muss der Unterricht in der Praxis auf den Durchschnitt ausgerichtet sein; der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler das Klassenziel erreichen, der Nachteil, dass einige über-, andere unterfordert werden.
Ein Anhaltspunkt für Hochbegabung liegt regelmäßig vor bei einem ausgezeichneten Zensurenbild. Gleichwohl begründet dies allein keine Hochbegabung, da auch gute Zensuren eine geringe Messgenauigkeit bieten: Sie könnten durch Reproduktion von Gelerntem erreicht worden oder aufgrund von Voreingenommenheit entstanden sein. Darüber hinaus erfassen sie kaum kreative und soziale Leistungen. Schließlich setzen sie Begabung mit Leistung gleich.
Dies ist allerdings nicht zulässig, denn bei hoch begabten Schülerinnen und Schülern gibt es die schwer zu erkennende Gruppe der sogenannten Minderleister. Hierbei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler, die von den in der Schule vermittelten Inhalten unterfordert sind und dies mit unaufmerksamem, gelangweiltem und unter Umständen rebellischem Verhalten kompensieren. Unter diesen Schülerinnen und Schülern hoch Begabte zu erkennen ist beson-ders schwierig und erfordert pädagogisches Fingerspitzengefühl, zumal das Zensurenbild keine Anhaltspunkte für Hochbegabung liefert: Etwa 11% der Hochbegabten sind Minderleister und finden sich im unteren Drittel der Notenskala. Ansprechpartner zum Thema Hochbegabtenförderung sind Frau Reichert und Herr Petry.